Ein anderes Drucken ist möglich

Mineralölfreie Farben, energieeffiziente Maschinen, umweltoptimierte Techniken – der Druck bietet viele Stellschrauben für eine bessere Ökobilanz, die zudem Kosten sparen können. Und beim Tiefdruck ist sogar ein Verfahren in Sicht, das auf problematische Chemikalien verzichtet und neue Möglichkeiten für umweltfreundliches Drucken eröffnen könnte.

Der Druck von Büchern, Zeitungen und Zeitschriften ist für Verlage eine zentrale ökologische Herausforderung. Ziel sollte es sein, umweltbelastende Stoffe zu ersetzen, Energie effizient zu nutzen, Abwasser und Abfallmengen zu begrenzen und die Emissionen zu verringern.

Je nach Endprodukt wenden Druckereien unterschiedliche Drucktechniken an, die sich auch bezüglich der eingesetzten Chemikalien und ihrer Umweltwirkung unterscheiden. Während Bücher normalerweise im Offsetdruck entstehen, kommen bei Zeitungen, Zeitschriften und Katalogen mit hohen Auflagen Tiefdruckverfahren zum Einsatz. Bei beiden Techniken sind die Möglichkeiten für umweltschonenderes Drucken längst noch nicht ausgeschöpft.

So enthalten die meisten Druckfarben noch immer Bindemittel aus schlecht abbaubaren, modifizierten Ölen und Harzen sowie erdölbasierte organische Lösemittel, die Emissionen verursachen und Rückstände im Papier hinterlassen. Inzwischen sind jedoch auch sogenannte „ökologische“ Farben auf dem Markt, die auf diese problematischen Inhaltsstoffe weitestgehend verzichten. Ihr Einsatz ist auch in herkömmlichen Offset-Druckmaschinen problemlos möglich. Die Qualität derart hergestellter Druckprodukte ist auch bei der Verwendung von reinem Recyclingpapier mit der Druckqualität auf Standard-Offsetpapier vergleichbar.

 

Druckfrisch zu mehr Umweltschutz

Ein weiterer Aspekt im Zusammenhang mit der Umweltfreundlichkeit von Druckfarben ist deren optimale Angepasstheit an den sogenannten Deinking-Prozess (Druckfarbenentfernung) in der Altpapieraufbereitung. Deinkbarkeit wird zunehmend als Kriterium für die Rezyklierbarkeit eines Papierprodukts anerkannt, denn Papiere können prinzipiell bis zu sechs Mal rezykliert werden. Es ist deshalb besonders wichtig, dass sich die aufgetragenen Druckfarben unaufwendig, umweltschonend und rückstandsfrei vom Papier entfernen lassen. Vor diesem Hintergrund ist das Produktdesign der Druckfarben genau daraufhin zu prüfen und ggf. zu optimieren, sodass Druckfarbenpartikel ausreichend groß und konsequent hydrophob (wasserabstoßend), ggf. auch mit geringeren Mengen an Bleichchemikalien entfernbar und damit optimal auf das Flotationsverfahren abgestimmt sind. Optimierungsbedarf besteht für Zeitschriften aus Flexodruck und Produkte wie pigmentierte Inkjet-Tinten und Flüssigtoner. Interessant in diesem Kontext ist, dass das umstrittene Europäische Umweltzeichen für Papierprodukte (EU Flower ecolabel for printed products) Deinkbarkeit als Voraussetzung enthält.

Ökologisches Optimierungspotenzial gibt es auch bei den verwendeten Feuchtmitteln. In Offsetdruckmaschinen kommen konventionell Isopropylalkohol (IPA) und Wasser als Feuchtmittel zum Einsatz. Ökologisch vorteilhafter ist das wasserlose Offset-Verfahren, das bislang vorrangig in Ländern mit strengen Umweltgesetzen, wie der Schweiz, Japan und den skandinavischen Ländern, eingesetzt wird. Allerdings ist wasserloser Offsetdruck nicht in allen Anwendungsgebieten einsetzbar. Am Markt sind jedoch bereits Maschinen verfügbar, die komplett ohne Alkohol betrieben werden können. Die damit einhergehende Umweltentlastung wird um Kosteneinsparungen durch Wegfall des Isopropylalkohols ergänzt und ist deshalb auch ökonomisch interessant für Druckereien und ihre Auftraggeber.

 

Neue Verfahren schonen die Umwelt

Der Tiefdruck stellt besonders hohe Anforderungen an die Qualität der Druckfarben. Das verhinderte bislang den Einsatz umweltfreundlicher wasserbasierter Farben. Aber auch hier tut sich etwas. Ein Forschungsprojekt des Bundesforschungsministeriums hat bereits 2004 umweltschonendere Druckfarben entwickelt. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass wasserverdünnbare und komplett lösemittelfreie Bindemittelsysteme auf der Basis von Acrylaten und Epoxiden zum Einsatz kommen. Ihr Umweltentlastungseffekt besteht darin, dass sie zur Trocknung nur wenig Energie benötigen, unter UV-Licht vernetzen und nur minimale Emissionen freisetzen. Auch im Recycling bedruckter Papiere und Pappen bereiten diese Farben keine Probleme.

Ein umweltschonenderes Tiefdruckverfahren wurde im Rahmen des Projektes „Kaltgasgespritzte Schichten zum Lasergravieren für Tiefdruckwalzen“ im Laboratorium für Werkstofftechnik der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg entwickelt. Das so genannte Kaltgasspritzen ist einsatzbereit und kann das bisherige Verfahren ersetzen, bei dem die Druckplatte oder -walze in ein Zinkelektrolytbad getaucht wird, das als Sondermüll entsorgt werden muss. Zusätzlich zu diesem direkten Umweltnutzen gilt das Kaltgasspritzen auch als zeit- und kosteneffizientes Verfahren.

Geld sparen und gleichzeitig die Umwelt entlasten können Druckereien auch, indem sie ihren Stromverbrauch analysieren. Denn mit einem Jahresverbrauch von rund 17.500 Kilowattstunden pro Mitarbeiter(in) führt die Druckbranche die Riege der größten Stromverbraucher an. Der Einsatz energieeffizienter Druckmaschinen, die Umstellung einzelner Unternehmensbereiche von Dauerlicht auf bedarfsgesteuerte Beleuchtung sowie das Umrüsten auf Energiesparlampen sind nur einige Beispiele dafür, wie Druckereien ihre Stromrechnung reduzieren und der Umwelt Gutes tun können.

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